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Ångrarna

Auf der Suche nach der eigenen Identität

Mit dem schwedischen Dokumentarfilm „Ångrarna“ spricht der Regisseur Marcus Lindeen ein in unserer heutigen Gesellschaft tabuisiertes Thema an, welches auf schlichte, aber ungewöhnliche Weise dem Zuschauer offenbart wird. Es wird die Lebensgeschichte zweier Männer dokumentiert, die auf der Suche nach ihrer wahren Identität eine schicksalhafte Entscheidung getroffen haben.

Ein schwarzer Raum, zwei Stühle, zwei Männer jenseits der sechzig, welche sich Fotos aus ihrer Vergangenheit anschauen: wer jetzt an einen gemütlichen Diaabend mit Rotwein denkt, der irrt, denn es handelt sich nicht um Urlaubschnappschüssen, Fotos von Kindern und Enkeln oder sonstigen Anekdoten, sondern es geht um intimste Einblicke in die Seele der beiden Hauptdarsteller. Mit „Ångrarna“ (dt.: die Reuigen) greift der dreißigjährige Regisseur Marcus Lindeen ein Tabuthema auf: Geschlechtsumwandlungen. Zudem handelt der Film von der verzweifelten und ungewöhnlichen Suche zweier Männer nach ihrer wahren Identität.

Orlando Fagin und Mikael Johansson wurden als Männer geboren, können sich jedoch in ihrer männlichen Identität nicht wiederfinden. Sie fühlen sich als Frauen und lassen sich deshalb operieren. Doch schließlich müssen sie erkennen, dass ihre Entscheidung ein Fehler war, sie im weiblichen Wesen keine Erfüllung finden und stattdessen zu ihrem ursprünglichen männlichen Geschlecht zurückkehren wollen.

Lindeen, der mit „Ångrarna“ sein Filmdebüt feiert, lässt seine Protagonisten direkt und schonungslos über ihre Geschlechtsumwandlung und deren persönlich einschneidenden Folgen erzählen. Diese Schonungslosigkeit schafft Lindeen durch eine Dialogsituation, bei der sich Fagin und Johansson – für eine Dokumentation ungewöhnlich – gegenseitig interviewen. Dadurch entsteht eine besondere Intensität, da beide einen direkten Zugang zu dem jeweiligen Schicksal des anderen haben. Verstärkt werden dieser Effekt noch durch die eine Perspektive auf den Interviewten und der völlige Verzicht auf irgendwelche Requisiten.

Der Film dürfte all denen Mut machen, die das gleiche Schicksal teilen oder damit in Berührung kommen. „Ångrarna“ ist ein Film, der zeigt, dass die äußere Hülle nicht entscheidend ist für das persönliche Glück, sondern viele andere Faktoren hineinspielen – wie ein stabiles Umfeld oder innere Zufriedenheit. Der Zuschauer bekommt einen Eindruck davon, wie verschiedene Lebenswege zu der gleichen, persönlich sehr tiefgreifenden Entscheidung führen können. Beeindruckend an diesem Film ist, mit welcher Ehrlichkeit und Schamlosigkeit die Protagonisten von ihrem Schicksal erzählen. Der Mut dieser beiden Männer ist bewundernswert, gerade weil sie sich ihre persönliche Fehlentscheidung eingestehen und daraus die dramatische Konsequenz ziehen, sich erneut operieren zu lassen.

Dem Regisseur gelingt mit „Ångrarna“ ein wichtiger Beitrag zum Verständnis für die vielen Probleme, die mit einer Geschlechtsumwandlung verbunden sind. Lindeen macht klar, dass es zu einer Geschlechtsumwandlung mehr braucht als Silikonimplantate. Seiner sensiblen Inszenierung gelingt es nämlich, auch die seelischen Wunden zu zeigen. „Ångrarna“ ist eine erfreuliche Abwechslung zu dem sonstigen trivialen Allerlei, das in den Kinohäusern so häufig abgespult wird.

Matthis Kampmann, Coline Wiehe

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