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Roskilde – The Music. The Party. The Feeling

Roskilde. In einer Welt, in der es keine Regeln gibt

Der Festivalsommer neigt sich dem Ende zu. Zeit, alles erlebte Revue passieren zu lassen und sich noch einmal dem außergewöhnlichen Gefühl von Freiheit hinzugeben, das man so nur auf Open-Air-Festivals zu spüren bekommt. Ulrik Wivels im Juni erschienener Film „Roskilde – The Music. The Party. The Feeling“ lädt uns ein, teilzuhaben an einem der wohl legendärsten Festivals Europas. Bis zu 120 000 Besucher pilgern jedes Jahr im Juli in die dänische Stadt Roskilde, um für vier Tage in eine Parallelwelt einzutauchen. Eine Parallelwelt aus Musik, Drogen und Sex, aus Liebe, Glück und Exzess. Über acht Jahre hinweg haben Wivel und sein Filmteam das Festival vor und hinter den Kulissen begleitet und dabei ihr Augenmerk auf alle gerichtet, die an diesem Großereignis teilhaben, vom Besucher bis zum Feuerwehrmann. Also machen wir es uns mit einem kühlen Bier auf der Couch gemütlich und lassen uns von dieser riesigen Party vereinnahmen.

1971 ins Leben gerufen, etablierte sich das Roskilde-Festival im Laufe der Jahre zu einem der Höhepunkte jedes europäischen Festivalsommers. Unmöglich, all die großen Namen zu nennen, die bereits die Massen vor der orangefarbenen Bühne – übrigens das ehemalige Tourzelt der Rolling Stones – in Ekstase versetzt haben. Um die Ausmaße nur vage anzudeuten: hier spielten unter anderem Legenden wie Bob Marley, U2, The Clash, Eric Clapton, Iggy Pop, Bob Dylan, David Bowie. Nicht zu vergessen aber auch Größen wie Radiohead, Björk, Metallica, Coldplay oder die Red Hot Chili Peppers. Eins steht fest: Das Line-Up von Roskilde ist immer phänomenal!

Doch wie fängt man die Stimmung eines Festivals ein, das oftmals mit dem einzigartigen Woodstock verglichen wird? Wivel begleitet die Fans von der Anreise bis zum letzten Tag. Da ist der junge Mann ohne Eintrittskarte, die beiden blonden Schwestern aus Schweden, zu allem bereit, so lange sie genug Bier intus haben, oder die Metal-Tove mit ihrer Hasch-Ente. Viele Szenen wurden scheinbar mit kleinen Handkameras aufgenommen, ganz dem berauschten und feiernden Publikum angemessen. Schonungslos wird einfach alles gezeigt, ohne Zensur, ohne Kommentar. Und wenn die Besucher morgens aus ihren Zelten kriechen, um den ersten Schluck aus der Aquavit-Flasche zu nehmen, kann man die Hitze im Zelt förmlich spüren und den Gestank aus demselben fast riechen.

In Roskilde trinken die Menschen, sie tanzen, sie lieben sich, sie sind obszön, sie sind laut, sie sind für vier Tage in einer Welt, in der es keine Regeln gibt, in der sie tun und lassen können, was sie wollen, als gäbe es kein Morgen mehr. Um dieses Gefühl richtig wiederzugeben, kann auf musikalische Untermalung natürlich nicht verzichtet werden. So finden sich in dem Film zahlreiche Live-Auftritte von Bands wie Placebo, Franz Ferdinand, aber auch weniger bekannten Künstlern wie Jenny Wilson oder der aus einem malinesischen Wüstenvolk stammenden Gruppe Tartit.

Aber wir dürfen auch hinter die Kulissen blicken: Ein Radiomoderator, der Angst vor seiner Livesendung hat, oder die Polizei, die verirrte Besucher aufsammelt und auf dem Campingplatz Demonstrationen für Christiania überwacht. Der Filmemacher spricht auch mit dem langjährigen Leiter des Festivals, Leif Skov, der sich schon fast poetisch über seinen Zögling auslässt. „Roskilde steht für das Leben – und das kann man nicht zerstören“, sagt er, als er über den tragischen Unfall im Jahr 2000 spricht. Bei einem Gedränge vor der Bühne starben damals insgesamt acht Menschen, 26 wurden verletzt. Roskilde deswegen aufzugeben, kam Skov nie in den Sinn. Das hätten die Fans auch niemals gewollt.

Die etwa 20 000 freiwilligen Helfer, die das Festival überhaupt erst ermöglichen, haben jede Menge zu tun mit brennenden Zelten und zugedröhnten Jugendlichen. Aber alle, die helfen, machen dies ohne Bezahlung, nur aus Freude und Leidenschaft an der Sache – und das sieht man ihnen an. Die finanziellen Gewinne des Festivals fließen in den „Roskildefonds“, der die Gelder an Organisationen wie amnesty international oder Ärzte ohne Grenzen verteilt. Nicht zuletzt das macht Roskilde zu einem so besonderen Festival.

Man kann dieses Roskilde-Gefühl nicht beschreiben, man muss es einfach selbst erleben. Jeder, der schon einmal ein Festival besucht hat, wird das wissen. Wivel versucht, diese einzigartige Stimmung festzuhalten und an den Rest der Welt heranzutragen, insofern das überhaupt möglich ist. Die Bilder sprechen für sich – und das sollen sie auch. „Roskilde – The Music. The Party. The Feeling“ ist eine große Liebeserklärung an ein einzigartiges Festival, an die Freiheit und an die Musik. Am Ende bleibt dennoch ein wehleidiges Gefühl zurück, entweder, weil man so etwas noch nie selbst erlebt hat, oder, weil dieser Sommer schon wieder vorbei ist. Aber der nächste kommt – und Roskilde wird wie immer eine gigantische Party werden.

Verena Morys

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