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En ganske snill mann

Nicht erotisch, aber verdammt komisch

Ulrik – Zwölf Jahre hinter Gittern, zwölf Jahre keinen Sex. Wer nun jedoch wilde, lustvolle Liebesspiele nach jahrelanger Abstinenz erwartet, bekommt stattdessen ein mechanisches, kühles Aufeinanderliegen geboten, bei dem Fischgerichte eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Nicht erotisch, aber verdammt komisch. Zumindest das Publikum der 52. Nordischen Filmtage in Lübeck ist, den Reaktionen nach zu urteilen, hellauf begeistert.

So liegt ein Hauch von Glamour in der Luft, als der schwedische Hollywoodexport Stellan Skarsgård (u.a. Fluch der Karibik, Illuminati) an einem Freitagabend in der Lobby des Lübecker Kolosseum eifrig Autogramme verteilt. „En ganske snill mann“ ist nach „Zero Kelvin“ und „Aberdeen“ die dritte filmische Zusammenarbeit zwischen ihm und dem norwegischen Regisseur Hans Petter Moland. Zu einem interskandinavischen Produkt wird der Film durch Verwendung der Buchvorlage des dänischen Autors Kim Fupz Aakeson („Prag“ 2006, „Kinamand“ 2005).

Die im dänischen Buch verwendeten spritzigen Dialoge werden durch die eher reservierte Ausdrucksweise des Norwegischen und die hervorragende schauspielerische Leistung des Schweden Skarsgård besonders amüsant.
„Ein Mann von Welt“, der schon bei der Berlinale einen Publikumspreis gewann, erwies sich auch auf den Nordischen Filmtagen als Zuschauermagnet. Und natürlich, die Sexszenen waren hoch im Kurs. Aber es geht um weitaus mehr als das Sexualleben von norwegischen Ex-Knackis.

Der verurteilte Mörder Ulrik versucht, nach dem Absitzen seiner Haftstrafe, wieder Fuß zu fassen und sein Leben in den Griff zu bekommen, was ihm zunächst auch zu gelingen scheint: Er findet Arbeit, eine Bleibe, stellt den Kontakt zu seinem Sohn wieder her und lernt eine Frau kennen. Ganz im Stile einer dramatischen Resozialisierungsgeschichte, lässt ihn seine kriminelle Vergangenheit aber nicht los - und er sie nicht. Die Ereignisse überschlagen sich, und am Ende droht alles aus dem Ruder zu laufen.

Der Film lebt von seiner Einfachheit. Komik entsteht durch klare Aktionen und Statements, Situationskomik statt Wortwitz. Schlägst du die Frau, breche ich dir den Arm, so einfach ist das. Ebenso schlicht ist das Naturell Ulriks und das seiner ehemaligen Gaunerfreunde, für die die Zeit anscheinend auch stehen geblieben ist. Ihr schicker Mercedes ist nicht mehr das neuste Modell, und längst haben samische Waffenhändler das Geschäft übernommen. Eigentlich der perfekte Augenblick, einen endgültigen Schlussstrich unter die kriminelle Karriere zu ziehen, doch erlebt der Film hier eine unerwartete und nicht ganz stimmige Wende, die selbst für den resoluten Ulrik übertrieben scheint. So viel sei gesagt: Manche lernen's nie!

In dieser absurden Gaunerkomödie geht es letztlich um die Frage, wie man mit der eigenen Vergangenheit und Zukunft umgehen soll. Im Grunde geht es, wie Drehbuchautor Kim Fupz Aakeson erklärt, um eine sehr allgemeine und uns alle betreffende Frage: „Willst du dein Augenmerk darauf richten, was das Leben noch zu bieten hat, oder nur in die Vergangenheit schauen?“ Die Antwort kommt auf typisch skandinavische Art daher, mit sehr viel schwarzem Humor und einer großen Vorliebe für skurrile Charaktere. „Ein Mann von Welt“ gesellt sich somit in die Reihe von Filmen wie „Adams Äpfel“ (Adams æbler) oder „Flickering Lights“ (Blinkende lygter).

Die lohnende und lustige Resozialisierungsgeschichte eines Mannes, der sich entscheiden muss - dessen Entscheidung am Ende jedoch zweifelhaft bleibt.

Jennifer Hannusch, Sven Hungenberg, Leonie Koning

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