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Between Two Fires

Eindringlich und ohne Pathos

„I will never go back to Poland“, schwört sich Marta jedesmal von neuem, wenn sie die volle Härte der schwedischen Behörden zu spüren bekommt. Diesem Schwur treu zu bleiben, fordert der starken und mutigen Frau alles ab, und der Zuschauer wird Zeuge einer unmenschlichen und realitätsnahen Odyssee durch bürokratisches Niemandsland.

Die Ausgangslage von Marta und ihrer elfjährigen Tochter Anna ist erdrückend. Bevor Anna an die polnische Prostituiertenmafia verkauft wird, flieht Marta mit Anna vor der rohen Männergewalt, die ihr Leben bestimmt. Der Kameraschwenk geht von Martas kleinem Dorf in Weißrussland nach Nordschweden, zu einem verschneiten Auffanglager irgendwo in der Weite Norrlands. Aber auch hier erwartet beide ein Dasein voller Angst und Unsicherheit, denn die Insassen hier sind alle Opfer von Gewalt und seelisch kaputt. Doch zunächst scheint das Glück auf Martas und Annas Seite zu sein. Sie erhalten endlich eine eigene Wohnung, und Anna darf zur Schule gehen. Nach dem ersten Glückstaumel mit Einweihungsparty und einer sich anbahnenden Liebesaffäre zwischen Marta und dem Algerier Ali, bricht die rauhe Wirklichkeit schwedischer Integrationspolitik erneut ein.

Die zart geknüpften Bande, die Liebe zu Ali und die Freundschaft zu ihrer Zimmerkollegin Anissa zerreißen, als einer nach dem anderen seinen Ausweisungsbescheid erhält. Genau so, wie es Anissa vorausgesagt hatte: „You don’t start a relationship with an emigrant“.

Dabei fing alles so verheißungsvoll an: Ein Foto von Martas polnischen Bekannten Gosia, vor einer großen schwedischen Villa - sie sei Immobilienmaklerin, meint Gosias in Polen zurückgebliebene Mutter zu wissen. Sie hat es geschafft! Und sie wird zur großen Hoffnung für Marta. Zuletzt bleibt Marta jedoch nur eine Option: Eine Hochzeit mit dem schmierigen und unappetitlichen Rentner Bengt. Die letzte Szene dieses Films zeigt symbolhaft Martas Situation „Between Two Fires“. Bengt liegt erwartungsvoll und splitternackt auf seinem seidenen Bett und Marta legt noch schnell ihren goldenen Ring ab, Zeichen der Liebe zwischen Ali und Marta. Hier ist der Film zu Ende.

Eindringlich und ohne Pathos schildert die Regisseurin Agnieszka Lukasiak das Los der in Not geratenen Polin Marta, die unter lebensbedrohlichen Umständen in eine ungewisse Zukunft fliehen muss. Was an diesem Film so stark berührt, ist die Liebe zwischen Mutter und Tochter. Die Mutter, die verzweifelt versucht, ihrer Anna ein besseres und würdevolleres Leben zu ermöglichen, und die kleine Anna, die schon viel zu viel erlitten und dennoch so viel Freude in sich hat.

Magda Poplawska (Marta) und Kamila Nowysz (Anna) überzeugen in ihrer sowohl sensiblen als auch expressiven Darstellung. Auch die Lagerverwalterin ist beeindruckend, die mit ihrer tonlosen Abschiedsfloskel: „Have an nice day“ ihre Abgespaltenheit vom Lagerdasein offenbart. Ebenso erhält der Titel „Between Two Fires“ in seiner Doppeldeutigkeit eine bittere Note.

Das Schicksal all dieser Menschen ist niederschmetternd, und es ist deshalb ein wichtiger und richtiger Film. Insbesondere heute, wo Einwanderer als anonyme Gruppe häufig pauschal abgehandelt werden und deren traumatische Situation auf politischer Ebene leider kaum eine Rolle spielt, sondern völlig ausgeblendet wird. Mit Spannung ist daher zu erwarten, welche Reaktionen dieser Film in Schweden auslösen wird.

Susanna Albrecht

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