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Lappland-Odyssee

Auf eisigen Wegen

Der Film „Lappland-Odyssee“, eine finnische Produktion des Regisseurs Dome Karukoski, war dieses Jahr bei den Nordischen Filmtagen in Lübeck zu sehen. Bevor der Film gezeigt wurde, sprachen die Hauptdarsteller in einem Interview über ihre Erfahrungen mit den eisigen Temperaturen während des Filmdrehs: Ausgerechnet in der kältesten Nacht wurde die Szene gedreht, in der die Darsteller nahezu nackt im Schnee laufen mussten.

Der Film beginnt damit, dass die junge und hübsche Inari mit ihrem Lebensgefährten Janne „Titanic” im Fernsehen gucken möchte. Dafür brauchen sie noch eine „Digibox“, die Janne von Inaris Geld kaufen soll. Aber Janne hängt lieber mit seinen beiden Kumpels Kapu und Räihänen rum und kommt daher ohne Digibox nach Hause. Inari möchte Jannes Verantwortungslosigkeit nicht länger ertragen und stellt ihm daher das folgende Ultimatum: Wenn Janne nicht bis zum nächsten Morgen eine Digibox beschafft, ist es auch mit ihrer Beziehung zu Ende. Solche Ausgangssituationen, in denen der Mann seiner Geliebten seine Liebe beweisen muss, sind zwar nicht unbedingt originell, aber offensichtlich immer noch ein beliebter Aufhänger.

Jannes einzige Chance, die Aufgabe zu erfüllen, liegt nun darin, mit Kapu und Räihänen zu Inaris Vater zu fahren, der Janne versprochen hat, ihm noch eine Digibox zu verkaufen. Es folgt nun eine als Abenteuer ausgelegte Spritzfahrt quer durch Lappland. Aber wie könnte es anders sein – der Weg dorthin ist beschwerlich, und die Freunde werden nur so vom Pech verfolgt. Mal werden sie von einem bewaffneten Russen verfolgt, mal bekommt es Janne mit einer Horde wahnsinniger Frauen in einem Hotelpool zu tun, und mal werden sie von der Polizei angehalten und wegen Trunkenheit ihres Autoschlüssels entledigt. Schaffen sie es dann doch mal, das benötigte Geld für die Digibox zu verdienen – zum Beispiel mit dem Häuten und Zubereiten eines Rentiers – verlieren sie es gleich wieder. Schließlich fällt das Glück am Ende buchstäblich vom Himmel.

Was zunächst wie eine lustige Actionkomödie daherkommt, macht jedoch zunehmend einen konstruierten und zusammenhangslosen Eindruck: Die Geschehnisse bauen kaum aufeinander auf, und die Zufälle sind häufig so unwahrscheinlich, dass man meinen könnte, Fortuna höchstpersönlich sei in die Handlung verwickelt.

So absurd einige Erlebnisse von Janne und seinen Freunde sind, so sehr bedient sich der Film typischer Klischeevorstellungen von Finnland: Arbeitslosigkeit, Depression und Selbstmorde. Die melancholische Grundstimmung wird zusätzlich dadurch verstärkt, dass sich die gesamte Handlung nachts im tiefsten Winter abspielt. Kein Wunder, dass fast alle Charaktere depressive Züge aufweisen: Kapu belehrt ein Mädchen an einer Bar über die Sinnlosigkeit des Lebens, Inaris Exfreund versucht verzweifelt, seine einstige Liebe zurück zu gewinnen und Räihänens Angebetete hat mit Erfolglosigkeit und ihrem Alter zu kämpfen.

Timo Lavikainen, der Darsteller von Räihänen, bewertete während des Interviews die letzte Szene als die beste des Films. Warum, sagte er nicht, schließlich durfte er nicht zu viel verraten. Aber möglicherweise war der Grund für seine Bewertung, dass die allerletze Szene des Films noch eine Überraschung bereit hält, in der das Klischee des selbstmörderischen Finnen doch noch mit Witz entschärft wird.

Nele Demedts

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