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Den Stille Mangfoldighed – Nipaatsumik Assigiingitsitaarneq – The Quiet Diversity

Wer sind eigentlich Grönländer?

Julie Edel Hardenberg ist Grönländerin, Künstlerin, Fragenstellerin. In ihrem Buch „Den stille mangfoldighed“ zeigt sie ein Grönland, das so ganz anders ist, als das Grönland, das so gerne in Fernsehreportagen und Reisedokumentationen präsentiert wird. Doch ihre Fotos sind keine Dekonstruktion überkommener Vorurteile, sondern eine Erweiterung der bekannten Perspektive.

Grönland ist ein postkoloniales Land, und will man seine Situation beschreiben, kommt einem schnell das etwas abgenutzte Bild vom Spagat zwischen Tradition und Moderne in den Sinn. So wie Grönland sich nicht dem Einfluss seiner ca. 300-jährigen Kolonialgeschichte entziehen kann, so ist der Bedarf, die eigenen, „genuin grönländischen“ Traditionen zu stärken ungebrochen und der Wunsch nach einer vollständigen Unabhängigkeit von Dänemark stark wie nie.

Doch lassen sich dänische Einflüsse überhaupt noch von grönländischer Kultur trennen?

Julie Edel Hardenberg stellt genau diese Fragen: Wer sind eigentlich Grönländer? Wie sehen sie aus, wie wohnen sie, was tun sie? Was macht Grönländer zu Grönländern?
Diese Fragen sind kaum zu beantworten, und gerade darin liegt der Reiz dieses Buches. Julie Edel Hardenberg überrascht und verwirrt die Betrachter ihrer Fotos immer wieder. Man kann sich nicht sicher sein, wen oder was man auf diesen Bildern sieht. Stereotype Vorstellungen von Grönland greift sie auf, verdreht und erweitert sie und hält dem Betrachter einen Spiegel vor.

Das Schöne an diesen Bildern ist jedoch, dass ihnen kein Tonfall der Aggressivität und kein erhobener Zeigefinger innewohnt. Es geht nicht um gewaltsame Belehrung, sondern darum, den Bertachter zum Staunen und Nachdenken zu bringen. Viele der Bilder sind Portraits, versehen mit starken Symbolen, die anzeigen, dass manches anders ist, als es zunächst den Anschein hat, denn es geht nicht nur um die Frage, wer ist Däne, wer ist Grönländer, sondern Julie Edel Hardenberg zeigt ein Grönland, das viel internationaler ist, als man es sich gemeinhin vorstellt. Ihre Bilder laden zum Verweilen und Immer-wieder-Angucken ein. Sie zeigen eine Liebe zu Grönland und eine Neugierde auf die Geschichten der portraitierten Menschen und ihrer Umgebung.

Ihre Fragen nach Identität, Fremdheit und Vertrautheit könnte Julie Edel Hardenberg überall auf der Welt stellen, so international sind sie. Doch die Künstlerin ist Grönländerin und setzt sich mit ihrer eigenen postkolonialen Identität auseinander. Und gerade weil viele Menschen außerhalb Grönlands eine so klare, oftmals stark idealisierte und einseitige Vorstellung von Grönland haben, ist dieser Bildband eben nicht austauschbar, sondern ein wichtiger Beitrag zur grönländischen Kunst.

Das Vorwort von Julie Edel Hardenberg und die lesenswerte Einleitung von Iben Mondrup Salto sind auf Dänisch, Grönländisch und Englisch verfasst.

„Den stille mangfoldighed“ wurde für den Literaturpreis des Nordischen Rates 2006 nominiert mit der Begründung, es sei „the most open book about Greenland ever...“
Jedem, der sich wirklich für Grönland interessiert, sei dieses Buch empfohlen.

Katharina Bock

Julie Edel Hardenberg
Den Stille Mangfoldighed – Nipaatsumik Assigiingitsitaarneq – The Quiet Diversity

Milik publishing, 2005

Dänisch/Grönländisch

200 Seiten

ISBN: 87-91359-14-7

Preis: 248,- DKK (www.saxo.com)

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