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Megrez
Buchcover

Eine Performance-Künstlerin versucht, den Familienwahnsinn zu durchbrechen. Neuer Roman von Ingri Lønnebotn veröffentlicht

Gerade eben erst in Norwegen erschienen, erzählt der Roman das Leben der Performance-Künstlerin Tone, die den Leiden ihrer Kindheit in ihren Darstellungen auf der Bühne Ausdruck verleiht. Ihr Heranwachsen in der Stadt Bergen ist geprägt von einer psychisch kranken, oft unberechenbaren Mutter und einem nur selten verlässlichen Vater, während Tones eigentliche soziale Familie, die Verwandtschaft mütterlicherseits, auf dem Land auf einem Bauernhof lebt, Cousinen und Cousins, Tanten und Onkel.

Alle, die zur Verwandtschaft auf dem Lande gehören, sprechen ein umgangssprachliches Neunorwegisch, während die Ereignisse in der Kernfamilie in Bergen wie auch die Gegenwartshandlung im Bokmål erzählt werden. Dadurch setzt die Autorin die zwei Welten, in denen Tone lebt, voneinander ab. Es ist zu vermuten, dass Tone ohne die Aufenthalte in ihrer Zweitfamilie nicht zu einer in ihrem Heimatland gefragten Bühnenartistin geworden wäre. Die Bauersleute sind jedoch rückständig und verschwiegen, hier liegen böse Wahrheiten verborgen und es herrschen Machtverhältnisse, denen niemand ins Auge zu blicken wagt. Dies ist die Familie, aus der auch Tones schizophrene oder manisch-depressive Mutter stammt. Verschiedene Generationen sind von der Krankheit betroffen, auch Tone selbst.

Und dann ist da die erwachsene Frau Tone, die die Kette zu unterbrechen und ihr Leben durch eine kreative Auseinandersetzung zu retten sucht. Fragen werden aufgeworfen, die Spannung erzeugen: Wie nah ist sie dem Abgrund, wie stark ist sie wirklich? Bei ihren Ein-Frau-Performances, nackt und mit Schnecken, passiert bei einer Vorstellung eine brutale Panne, ein endgültiger Karriereabbruch steht im Raum.

Ein wichtiges Thema des Romans ist die Sexualität. Wenngleich Tone ihre eigenen ersten sexuellen Erfahrungen aktiv gestaltet, zieht sich dieses Thema doch voller Düsterkeit durch die gesamte Handlung. Befreiung bringt sie nicht mit sich. Verwirrend sind auch die Zeitsprünge in und durch Tones Kindheit. Des Öfteren ist unklar, wie alt sie gerade eigentlich ist, was die Gesamtsituation noch trostloser erscheinen lässt. Aufgehellt wird die melancholische Atmosphäre immer nur durch Figuren aus der Außenwelt. Den sogenannten Engel, die Tante, und den kleinen Cousin Nikolai, die eine gewisse Normalität verbreiten, eine lang andauernde Schwärmerei für den älteren Cousin Martin.

Der Roman zeichnet sich durch eine sehr differenzierte Wortwahl voller Nuancenreichtum aus. Die Enthüllung der wahren Zusammenhänge holt die Leserin/den Leser dann allerdings ziemlich plötzlich aus Melancholie und Fatalismus heraus, hin auf die Ebene der Realität. Das Wiederkehrende hat sodann die Tarnung verloren, wenngleich es nicht überwunden ist.

Margerita Bube

 

Ingri Lønnebotn.
Megrez


Vigmostad & Bjørke
Bergen / Norwegen
2007

251 Seiten
NKR 349,-

ISBN:
978-82-419-0479-0

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Mittwoch, 11. Oktober 2017
19:00 - Tore, himlen & havet | Tore, der Himmel & das Meer
D/SE 2016 | 57 Min. | Dokumentarfilm | Original (schwedisch) mit deutschen Untertiteln | R Maria Mogren, Jens von Larcher

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