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KH kooperiert mit MEK
(c) Hans Joachim Gruda
(c) Hans Joachim Gruda

Grundlagenarbeit für samische Ausstellung in Berlin

KULTURHUS BERLIN kooperiert mit dem Museum Europäischer Kulturen

Wer im Museum Europäischer Kulturen (MEK) in Berlin die Möglichkeit erhält, einen Blick hinter die Kulissen und in das Kellerdepot zu werfen, weiß nicht, wohin er zuerst sehen soll. Seite an Seite reihen sich Glasschränke gefüllt mit Zeugnissen der materiellen Kultur zahlreicher europäischer Ethnien. Vorbei an bulgarischen Trachten, griechischen Schattenspielfiguren und krimtatarischen Schmuckstücken, führt der Weg hin zu einem der größten Schätze der Europaabteilung – der samischen Sammlung. Diese ist deshalb so bedeutend, weil sie die größte Sammlung samischer Objekte außerhalb der nordischen Länder darstellt. Über insgesamt vier große Vitrinen hinweg erstreckt sich eine bunte Mischung von Objekten, die von Alltagsgegenständen und Kunsthandwerk bis hin zu Kleidung, Schuhen und Schmuck reicht. Dazu kommen noch zahlreiche Textil- und Pelzartefakte in der Kühlkammer.

Da dies alles jedoch derzeit versteckt vor der Öffentlichkeit auf den Regalbrettern des Depots schlummert, hat das MEK große Pläne: Um die samische Sammlung einem größeren Publikum zugänglich zu machen, soll in den kommenden Jahren die Dauerausstellung des Museums erweitert werden sowie eine samische Sonderausstellung mit Rahmenprogramm durch samische Künstler entstehen.

Solche Pläne bedeuten jedoch viel Arbeit – denn um eine Ausstellung durchführen zu können, sind zahlreiche Vorarbeiten nötig, die den Besuchern oft gar nicht bewusst sind. Meist beginnen die Vorbereitungen ein bis zwei Jahre vor Ausstellungsbeginn und beinhalten Arbeiten, die von der Auswahl und wissenschaftlichen Bearbeitung von Objekten und dem Schreiben von Ausstellungstexten über Fragen der Finanzierung und Budgetplanung bis hin zu Ausstellungsdesign und pädagogischer Begleitung reichen.

Das samische Projekt setzt sogar noch vor allen diesen Schritten an: Im Zentrum steht im Moment die, in der modernen Museumsarbeit immer bedeutender gewordene, Provenienzforschung (Herkunftsforschung). Diese dreht sich um die Vergangenheit der Objekte, den Teil ihrer Geschichte, der stattfand, bevor sie im Museum landeten: Woher stammen sie, wer hat sie eingesammelt und unter welchen Umständen? Besonders bei ethnologischen Objekten sind diese Fragen wichtig, waren ihre Sammler doch häufig im Zuge des Kolonialismus und Forschungsreisen unterwegs. Während einige der Gegenstände Geschenke der Einheimischen waren oder käuflich erworben wurden, wechselten andere eher unfreiwillig ihre Besitzer. Bevor ein Objekt ausgestellt werden kann, gilt es, alle diese Fragen zu beantworten. Hierfür, und für die Durchführung der späteren Ausstellung, wird das MEK mit Experten der samischen Kultur und anderen Museen, namentlich samischen im Norden, zusammenarbeiten.

Auch KULTURHUS BERLIN beteiligt sich und vermittelte nach Gesprächen mit der Museumsdirektorin Frau Prof. Dr. Elisabeth Tietmeyer drei Praktikanten ans MEK. Um mit der eigentlichen Provenienzforschung beginnen zu können, musste nämlich zuerst Ordnung in die samische Sammlung gebracht werden. Hierfür absolvierten im ersten Halbjahr 2018 Swantje Opitz und Michael Troxler (beide studieren Skandinavistik am Nordeuropainstitut der Humboldt Universität zu Berlin) und Laura Büllesbach (BA in Ethnologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und nunmehr im Masterstudium an der Goldsmiths, University of London) jeweils sechswöchige Pflichtpraktika im MEK. Im Laufe ihres Studiums hatten sie sich auf unterschiedliche Weise mit der samischen Kultur beschäftigt und unter anderem Feldforschungsaufenthalte in Nordschweden bzw. Finnland absolviert.

Am MEK wurden die drei sowohl von einem herzlichen Museums-Team, als auch einer Datenbank mit rund 1000 Datensätzen zu samischen Objekten, einer Vielzahl vergilbter Karteikarten sowie Katalogbüchern in Sütterlinschrift empfangen. Diese galt es aufzuarbeiten! Mit unglaublich wertvoller Hilfe von Frau Prof. Dr. Tietmeyer und den beiden Textilrestauratorinnen Salwa Joram und Christine Binroth wurden in den vergangenen Wochen Karteikarten in die Datenbank übertragen, alte Aktennummern aus Katalogbüchern abgetippt, ausgemistet und Literaturrecherchen durchgeführt. Mit jedem Objekt, das einem Sammler zugeordnet werden konnte und mit jeder zusätzlichen Information, die gewonnen wurde, wuchs die Klarheit über die Struktur der Sammlung und das Gefühl, die Objekte und ihre Geschichten kennenzulernen. Und wenngleich die zu erledigenden Aufgaben gelegentlich endlos erschienen, hatten sich die Mühen am Ende doch gelohnt. Entstanden war ein umfangreiches Handbuch, in dem alle Objekte nach Sammlern sortiert und mit Bildern, Datierung und sämtlichen dem Museum bekannten Angaben einsehbar sind. Somit ist der Grundstein für alle weiteren Arbeiten gelegt und das MEK, KULTURHUS BERLIN und nicht zuletzt Swantje, Michael und Laura können kaum erwarten, welch spannende Erkenntnisse die nun anstehende Provenienzforschung bringen wird!

Bericht von Laura Büllesbach

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