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Helene Blum
(c) Sigrid Nygaard
(c) Westpark Music, Fotos Sigrid Nygaard
(c) Tanja Bradtke
(c) Tanja Bradtke

Von Zeit und Zeiten

 

Die Lieder der dänischen Folkmusikerin Helene Blum handeln von Liebe und Leben, Krieg und Frieden, Schicksalen und Hoffnung. Dabei vereint sie traditionelle Wurzeln mit erneuernder Kraft, lässt sich von anderen Musikstilen, der Natur und Kunst beeinflussen. Ihre Musik und ihre ausdrucksstarke Stimme machten sie in ihrer Heimat zu einer viel gefeierten Künstlerin, die auch in Europa, in den USA, Kanada und Japan ihr Publikum zu begeistern weiß. KULTURHUS BERLIN hat Helene Blum in Berlin getroffen und mit ihr im Vorfeld ihres Konzertes am 7. März 2017 in der Berliner Passionskirche über ihr neues Album Dråber af tid / Droplets of Time gesprochen.


KULTURHUS BERLIN: Als erste Sängerin überhaupt machtest du 2004 deinen Abschluss in Folkmusik an der Carl Nielsen Akademie in Odense. Warum gerade diese Stilrichtung?

HELENE BLUM: Bis zum Alter von 19 Jahren dachte ich immer, ich würde Pianistin werden. Doch den Folk hatte ich bereits in mir und entdeckte bzw. verliebte mich in ihn während eines Intensivkurses. Diese fantastische Welt der Musik erschloss sich mir auch während weiterer Konzertauftritte mit den Seminarteilnehmern, und weil es mir so viel Spaß machte, bewarb ich mich in Odense, um Folk zu studieren. Improvisieren, eigene Musik komponieren, Texten und auch das Geschichtenerzählen zogen mich magisch an. Es war eine Art von Freiheit, die mich faszinierte, die wollte ich ergründen und weiter verfolgen.


KULTURHUS BERLIN: Welche Bedeutung hat dabei für dich Tradition?

HELENE BLUM: Ich liebe es, aus dem Leben der Menschen zu hören und in Geschichte einzutauchen. Ich fragte mich, was damals war und was es heute bedeutet. Tradition ist für mich eine Art "gemeinsame Sprache", die wir teilen und in uns haben. Wir haben nicht nur in Dänemark, sondern auch in Skandinavien, Europa und weltweit die gleichen Wurzeln. Dabei spreche ich nicht von Traditionen im musealen Sinne. Es ist für mich wichtig, im Hier und Jetzt zu leben und die Musik zu spielen, die ich mag. Es reicht also nicht, dass ein Song alt ist, er muss auch heute zu mir sprechen.



KULTURHUS BERLIN: Wo findest du deine Inspiration fürs Texten und Komponieren?

HELENE BLUM: In der Kunst und Literatur, am meisten aber in der Natur. Ich wohne im Wald, und oft zählt für mich, die Welt außen vor zu lassen, still zu sein und zu lauschen, was vom Herzen kommt. Andererseits sammele ich auch Inspiration von anderen Menschen. Ich bekomme sie durchs Reisen, durch Biographien anderer Menschen. Ich bin auch süchtig nach Schönheit. Ich liebe tolle Landschaften, Umgebungen und schöne Dinge. Dabei geht es nicht oberflächlich um Schönheit, sondern darum, zum Kern vorzudringen, die Kraft und Energie daraus zu ziehen und sie sichtbar zu machen.



KULTURHUS BERLIN: Wie lange hast du an deinem neuen Soloalbum Dråber af tid / Droplets of Time gearbeitet? Liegt ihm ein Thema zugrunde?

HELENE BLUM: Mein letztes Soloalbum ist vier Jahre her, da ich zwischenzeitlich zwei Kinder zur Welt gebracht habe. In meinem Kopf aber habe ich die ganze Zeit an dem neuen Album gearbeitet. Wann immer ich durch etwas inspiriert wurde, machte ich mir Notizen für Texte und Melodien. Mit meiner Familie habe ich nicht mehr die Zeit, ein halbes Jahr ins Studio gehen, um Aufnahmen zu machen. Jetzt produziere ich manchmal bis zu drei Songs am Tag. Ich bereite alles vor, treffe mich mit den Musikern, und los geht's ohne lange Proben. Mit Kindern wird man effizient, lernt, jede Chance zu nutzen und entwickelt das Vertrauen, vieles auch in kürzerer Zeit zu schaffen.

Und was das Thema der CD betrifft, so ist es Zeit: Beziehungen, Vergangenheit und Zukunft. Mit fast 40 Jahren und zwei Kindern machen viele Menschen sich Gedanken, was als Nächstes kommt. Man ist nicht mehr in der Sturm- und Drangzeit seiner Jugend, man beginnt, über Zeit nachzudenken. Die Frage ist also, was ist in meinem Herzen, was schreibe ich nieder.



KULTURHUS BERLIN: Kannst du ein Beispiel von der CD geben?

HELENE BLUM: Et øjebliks stilhed / One moment of peace anlässlich des Dänisch-Deutschen Krieges 1864 ist ein gutes Beispiel, wie ich etwas erlebe und dann in meinen Songs verarbeite. Im Vorfeld der 150-Jahres-Gedenkfeier hatten wir uns mit dem Thema und auch der Musik von damals auseinandergesetzt, und auf der Bühne realisierte ich, dass man Teil der Geschichte wird. Ich sah all die alten Leute, sie tragen die Geschichte in sich, sie sind Teil von ihr, und ich selbst konnte entscheiden: Möchte ich Freude in die Zukunft bringen oder weiter kämpfen? Das war sehr bewegend. Ich bin in einer sehr friedlichen Zeit aufgewachsen. Das ist heute leider nicht mehr so. Die Zukunft hat sich eingetrübt, ist ungewisser. Wenn man also über Geschichte spricht, ist es oft schwer, sie nachzuvollziehen. Aber an diesem Tag auf der Bühne konnte ich ihr sehr nahe kommen.



KULTURHUS BERLIN: Wie hast du die Songs für dein Album ausgesucht? Hast du einen Favoriten?

HELENE BLUM: Zeit kann man sehr weit fassen, und so habe ich die Lieder eins nach dem anderen ausgesucht und geschaut, welche passen. Barn rødkindet / Child with red cheeks ist dabei etwas Besonderes für mich, denn ich durfte diesen Song nicht nur mit dem Pianisten Christoffer Møller, sondern auch mit dem sehr bekannten Trompeter Palle Mikkelborg, einer dänischen Musiklegende, aufnehmen. Erst habe ich nicht gewagt ihn zu fragen, doch als ich es tat, sagte er "Ja!". Wir trafen uns also im Studio und improvisierten diesen Song.



KULTURHUS BERLIN: Gibt es auch etwas Autobiographisches auf deinem Album?

HELENE BLUM: Oh ja, über meine Kinder. Din fod skal gå / Your foot should walk schildert den unglaublichen Moment, in die Augen des kleinen Kindes zu schauen und zu fühlen, man möchte alles erdenklich Gute tun. Sich selbst von der besten Seite zeigen, ein Vorbild sein, obgleich man dafür an sich arbeiten muss, wenn man das Beste geben möchte.

 

KULTURHUS BERLIN: Welche Wünsche und Träume beruflich und privater Art hast du für 2017?

HELENE BLUM: Mein großer Wunsch ist es, mir selbst mehr Zeit zu geben, um Musik zu komponieren und Inspiration zu suchen, mir etwas mehr Ruhe für mich selbst zu gönnen. Zunächst aber freue mich auf die Tour. Es ist immer noch ein Traum für mich, eine eigene CD zu veröffentlichen. Ich habe hart dafür gearbeitet und möchte sie nun den Menschen nahe bringen, reisen, viele Menschen treffen. Ich hoffe, ich kann meine Musik mit ihnen teilen, sie dadurch toleranter machen und sie bewegen, mehr miteinander zu reden. Kommunikation hat es in der heutigen Zeit nicht leicht. Ein Weg dahin ist aber, sich zu treffen, neue Menschen kennenzulernen.



Das Interview führte Claudia Rach auf Englisch anlässlich der Release Tour zum neuen Album.

Eine Rezension zur CD lesen Sie hier.

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