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RückblickKulturreise: 411. Jokkmokks Vintermarknad mit KULTURHUS BERLIN
Jokkmokks Wintermarkt
Rentiere
Rentier in Jukkasjärvi
Lounge in Årrenjarka
Einschirren der Schlittenhunde
Tor Henrik Buljos
Polarlicht
Motorschlittenausflug aufs Fjäll
Winterliche Schönheit
Jokkmokks Wintermarkt
Jokkmokks Wintermarkt
Jokkmokks Wintermarkt
Samisches Kunsthandwerk
Jokkmokks Wintermarkt
Unterkunft in Årrenjarka
Auf Wiedersehen!

Im Februar 1605 wurde in Jokkmokk der erste Samenmarkt - Jokkmokks Vintermarknad („Jokkmokks Wintermarkt“) – abgehalten. Seitdem findet er jedes Jahr am ersten Donnerstag, Freitag und Samstag im Februar statt. Damals wie heute werden Waren aus der Region gegen Waren von der Küste und aus dem Süden getauscht. In alten Zeiten waren es hauptsächlich Pelz- und Lederwaren, Wild, lebende Rentiere, Horn sowie getrockneter Fisch, die Jokkmokk verließen und Metallwaren, Wollstoffe, Silber, Salz und Mehl kamen. Heute erfreut sich der Besucher an Kunst und Handwerk der Samen, Produkten aus Rentierfleisch, Elch und Fisch. Während sich die einheimische Bevölkerung wiederum mit dem Jahresvorrat extra starker Gefrierbeutel eindeckt, ein neues Lasso kauft, die vermeintlich besten englischen Sahnebonbons mitnimmt oder italienischen Käse probiert. Markt – das ist Austausch von Waren und Ideen, das sind Begegnungen von Menschen und Kulturen und KULTURHHUS BERLIN war im Februar 2016 erneut dabei.

Unsere Kulturreise begann am Sonntag, den 31.1.2016 in Kiruna und in dem kleinen Dorf Jukkasjärvi mit Polarlicht, einer Übernachtung in Hütten unseres Reisepartners Nutti Sámi Siida im Wald sowie Rentieren als Nachbarn nebenan.

Montag, 1. Februar: Der erste Vormittag brachte Kontakt mit den Rentieren im Gehege. Im samischen Freilichtmuseum und in der alten Kirche von Jukkasjärvi gab es Erzählungen aus der Geschichte Sápmis sowie zum Ort Jukkasjärvi, an dem sich drei Kulturen begegnen: Die Samen, die Tornedals-Finnen und die schwedischen Siedler (Nybyggare). Der Besuch im ICE-Hotel® mit seinen Skulpturen aus Eis und Schnee war der moderne Kontrast dazu. Zum Mittag gab es Suovas, das „Nationalgericht“ der samischen Rentierhirten: gesalzenes, geräuchertes und in kleinen Stücken in der Pfanne gebratenes Rentierfleisch.

Die Fahrt von Jukkasjärvi zu unseren Hütten in der Nähe von Kvikkjokk ist in jedem Jahr ein besonderes Erlebnis! Es geht durch verschneite Wälder, meterhohen Schnee, weit auseinander liegende Städtchen und einsame Gehöfte, vorbei an Elchen und Rentieren am Straßenrand. Bereits am Nachmittag dämmerte es als wir von unseren Wirtsleuten Gun und Lasse in Årrenjarka begrüßt wurden und unsere sehr komfortablen Hütten mit Fußbodenheizung, Dusche, WC, Küche, Essplatz, Wohnzimmer und Schlafzimmern bezogen.

Abendessen: Lachs aus den Gewässern der Gegend und von Gun aufs Feinste zubereitet und angerichtet.

Dienstag, 2. Februar: Zu Fuß ging es über die gefrorene Lagune und durch das Gehöft zu den Schlittenhunden. Jeder half beim Einschirren der Tiere bevor es mit unserem Hundegespannführer und den elf Hunden durch Wälder und über Flüsse, Seen und Moore durch den Winter ging. Es war ein richtiges „Hundeschlittenabenteuer“ für unsere Gäste.

Am Nachmittag wanderten wir ein Stück durch den Wald zu Tor-Henriks Lavvu, seinem Zelt im Schnee. Am Feuer drehte sich das Gespräch mit dem aus Norwegen eingewanderten Samen und Archäologen um die Geschichte und Religion der Samen sowie ihre noch heute sehr naturnahe Lebenseinstellung. Die Atmosphäre war so angenehm, dass es sich Tor-Henrik nicht nehmen ließ, einen Jojk anzustimmen.

Abendessen: Elch-Carpaccio und Suovas, dazu feine vegetarische Beilagen und zum Nachtisch Schokoladenkuchen mit Preiselbeeren. Unvergesslich blieb dazu der Nachthimmel voller Sterne und Polarlicht. Aurora Borealis, in großem Bogen, wabernd, leuchtend!

Mittwoch, 3. Februar: Aufbruch zum Ausflug auf das Gebirge, das Fjäll. Immer höher hinauf führte der Weg über den See, die Landstraße und in den Wald bis ins kahle Gebirge oberhalb der Baumgrenze. Der eisige Gegenwind zwickte an Nase und Wangen, aber der Ausblick entschädigte für alles! Ein atemberaubendes Panorama.

Der Ausflug am Nachmittag führte ins 17 km entfernte Dorf Kvikkjokk, am Fuße des Gebirges und in die „neue“ Kirche von 1907. Bis 1659 wohnten dort nur Samen, bevor man begann Silber in den Bergen der Umgebung abzubauen. Eine kleine Gemeinde wuchs heran mit Kirche, Pfarrhof, Bauern, Mühlen und der Erzverarbeitung. Mehrere Wanderrouten treffen in Kvikkjokk/Huhttán aufeinander und von hier findet sich einer der leichteren Zugänge zum Welt- Natur- und Kulturerbe Laponia und dem Sarek Nationalpark. Auch der Botaniker Carl von Lenné begann an diesem Ort 1732 seine Wanderung auf das Fjäll in Richtung Norwegen.

Abendessen: Seesaibling, dem einheimischen Röding, zubereitet und serviert nach Art eines „Sternerestaurants“.

Donnerstag, Freitag und Sonnabend, 4. bis 6. Februar: Jeden Morgen nach dem Frühstück fuhren wir im Minibus zum Jokkmokks Marknad, begleitet mit den schönsten Sonnenaufgängen des nordischen Winters. An die Minusgrade – minus 26 und weniger – hatten sich nun alle gewöhnt.

Für die Bewohner der weitläufigen Region, Samen und Nichtsamen gleichermaßen, ist Jokkmokks Marknad auch heute noch das, was es immer war: Eigene Waren und Ideen werden „zu Markte getragen“ und jeder trifft seine weit verstreut lebenden Familienangehörigen, Freunde, Bekannte und Geschäftspartner. Man sieht sich, verliebt sich, es wird geheiratet, gemeinsam gegessen und getrunken, gelacht, gestritten und gejojkt! Das kulturelle und gesellschaftspolitische Rahmenprogramm dient der Pflege von Traditionen, dem Erleben von Fremdem und Neuem, kritischen Gesprächen sowie Fortbildungen für Künstler, Handwerker und Renzüchter. Hier ist nichts für Touristen gemacht: Weder der Verkauf von Nähzubehör für samische Trachten und samisch inspirierte Mode, noch der Informationsstand über Erdwärme für die Heizung im Wohnhaus oder der Verkauf von Lassoseilen als Meterware in den nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit unterschiedenen Qualitäten.

Künstlerischer und handwerklicher Höhepunkt für alle Besucher sind die Verkaufsausstellungen in den Räumen der Stiftung Samisches Handwerk (Sámi Duodji), des Museums Ájtte und des Samischen Ausbildungszentrums. Hier liegt das Beste, was samisches Handwerk zu bieten hat, das Edle und mitunter auch Unverkäufliche! Hier bekamen wir gleichzeitig einen eindrucksvollen Überblick zur samischen Gegenwartskunst.

Die Schnittstellen zwischen den Interessen Einheimischer und Touristen liegen bei den Angeboten, die von außerhalb der Region kommen und durch Art und Qualität für alle gleichermaßen anziehend sind. Bratwurst und Honig aus Finnland, die Lebensmittelmesse im Kaitumgården mit Bensbyns Steinofenbrot, Käse von den Höfen des Jämtlands, Beerensäfte, preiswerte Gebrauchsmesser, Pelzmützen, Ren- und Wildprodukte, Delikatessen aus Jokkmokks Wurstwarenfabrikation, Fisch in allen Variationen, frisch gebackenes Fladenbrot (gahkku), Stoffe mit samischen Mustern für das Sofakissen oder die Küchengardine daheim.

Selbstverständlich sind auch sehr typische Andenken zu erstehen: Kapselheber aus Renhorn, T-Shirts mit samischen Symbolen, Mützen mit Rentieren oder Elchen, Untersetzer mit alten samischen Motiven.

Besonders beliebt bei allen Besuchern sind die traditionell samischen und die daraus entstandenen modernen Gebrauchssachen wie Taschen und Mobiltelefonhüllen aus Leder von Elch, Ren und Lodenstoff, Schultertücher und Schals, Mützen, Gürtel, Gebrauchsgegenstände aus Rentierhorn oder Dosen aus Birke mit Renhornintarsien.

 

Der Markt und Ausstellungen bieten also etwas für jeden Geschmack und Geldbeutel. Das Rahmenprogramm zeigte einen guten Einblick in die aktuellen kulturellen und gesellschaftlichen Entwicklungen der Region Sápmi.

Daher waren die Fahrten vom Markt zurück zu unseren Hütten immer begleitet von der guten Stimmung unserer Gäste. Viel gab es zu berichten: „Ein Paradies für Liebhaber samischer Handwerkskunst“, so ein Gast. „Beeindruckend zu sehen, mit wie viel Stolz sich junge und alte Samen präsentieren, ihre Trachten tragen, Kunst anbieten, bedacht auf Tradition, aber nicht in ihr gefesselt. Vor allem bei Schmuck- und Textilerzeugnissen wurde deutlich, dass samische Kunst sehr modern sein kann.“

Abendessen am letzten Abend: Als Vorspeise Käsekuchen aus dem Käse der Bergkühe (Fjällkor), Maränenrogen (Sikrom), Meerrettichsahne und roten Zwiebeln. Als Hauptgang Renoberschale in Rotweinsoße mit Speckwürfeln und Kartoffelpüree. „Ein Traum, wenn man innerhalb einer Woche die samischen Spezialitäten in Sterne-Qualität serviert bekommt“, lobte einer der Gäste die Küche.

Sonntag, 7. Februar: Es galt früh aufzustehen und die Rückreise nach Kiruna zum Flughafen anzutreten. Das Winterlicht eines wunderschönen Sonnenaufgangs begleitete uns auf der Europastraße 10 durch die Winterwelt Schwedisch Lapplands. Abschied von Sápmi, das sich noch einmal von seiner schönen Seite zeigte.


Reisebericht und Fotos von Hans-Joachim Gruda

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