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Finnisches Feuer
(c) Klett-Cotta

Vera lebt in einer Gesellschaft, die im krassen Gegensatz zu dem steht, was Finnland heute ist. Im System der sogenannten „Eusistokratie“– die Autorin beschreibt dies nahezu wissenschaftlich anhand von Lexikoneinträgen – sind Frauen („Eloi“) Menschen zweiter Klasse. Reduziert auf ihren Nutzen für überwiegend gebieterisch und machohaft auftretende Männer („Maskos“) und auf ihren Einsatz für die Vergrößerung der Population, leben sie unterwürfig und mit einer Vielzahl an strengen gesellschaftlichen und sozialen Regeln. Als wäre dies nicht schon dramatisch genug, hat die Autorin eine weitere, noch tiefere Kaste entworfen, der auch die Protagonistin Vera angehört: „Morlocks“ oder „Morlockweibchen“ sind Frauen, die aufgrund ihrer Prägung nicht in das Eloi-Schema passen und von allen Seiten geächtet werden. Von Kindheit an, versucht Vera daher ihre wahre Identität zu verbergen. In den Briefen an ihre verschwundene Schwester kommt ihre Verzweiflung zum Ausdruck.

Mit der Zeit wendet sie sich der Untergrund- und Drogenszene zu, lernt ihren späteren Freund und Dealer Jare kennen und wird süchtig nach Chili, der illegalen Droge Finnlands. Die feurigen Schoten, bzw. ihr Pulver dürfen aufgrund der erhitzenden, die Schleimhäute angreifenden Wirkung nicht konsumiert werden. Neben dem Verzehr und der Züchtung des Gewürzes sind übrigens auch Alkohol und andere Dickmacher entweder verboten oder strengstens reguliert. In den Cafés und Kneipen der Hauptstadt werden statt Bier und Wein verschiedene Gesundheitsdrinks und Low-Fat-Produkte gereicht. Die oberste Behörde und staatliche Exekutive des Landes ist das „Amt“, das Gesundheitsamt, das mit seinen Kontrolleuren das Privatleben der Menschen überwacht und Angst und Schrecken verbreitet. Gefährlich wird es auch für Vera und Jare, die auf der Suche nach Freiheit und Gestaltungsspielraum letztlich in die Enge getrieben werden.

Die Story liest sich, trotz ständiger Zeitsprünge und eines bedrohlichen Szenarios, spannend und vergnüglich, auch für Leser, die keine eingefleischten Science-Fiction-Fans sind. Das Happy End kommt unerwartet.

Rezension von H. Beutler-Gross

Finnisches Feuer
Originaltitel Auringon Ydin

Von Johanna Sinisalo

Übersetzung von Stefan Moster
Verlag Tropen (Klett-Cotta)
1. Aufl. 2014
318 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-608-50144-5

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