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Only God Forgives

Dänischer Regisseur Nicolas Winding Refn mit „Only God Forgives“ im Kino

Mit dem neuen Film „Only God Forgives“ spaltet der dänische Regisseur Nicolas Winding Refn das Publikum. Am 18. Juli kam sein neustes Werk auch in die deutschen Kinos. Während sein hochgelobter Vorgängerfilm „Drive“ 2011 in Cannes mit dem Preis für die beste Regie ausgezeichnet und mit Spannung der nächste Film des neuen angesagten Regisseurs erwartet wurde, sorgte „Only God Forgives“ dieses Jahr in Cannes für Diskussionen.

Jener Film ist ein nicht endender bizarrer Akt der Blutrache in Bangkoks Unterwelt, die von Prostitution, Verbrechen und unerbittlicher Gewalt gezeichnet ist. Ryan Gosling, bereits Hauptdarsteller in „Drive“, spielt den Drogendealer und Hobbykickboxer Julian. Sein ungleicher Bruder Billy wird, nachdem er selbst eine junge Prostituierte brutal umbringt, vom pensionierten Polizeilieutenant und selbsternannten Racheengel Chang  (Vithaya Pansringarm) mit dem Tod bestraft. Als seine unnahbare und unbarmherzige Mutter Crystal (Kristin Scott Thomas) von Billys Tod erfährt, schickt sie Julian auf die blutige Jagd nach den Mördern.

Der Schocker-Thriller ist wohl wie kaum ein anderer Film die Verkörperung von „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Refns Idee dabei war laut eigener Aussage, „einen Film über einen Mann zu machen, der Gott herausfordert“. Der Regisseur kreiert dabei eine Welt, in der kein Gut und Böse mehr existiert: vielmehr findet sich in Julians Gegenspieler Chang ein Gott als Antagonist, ein solcher, der mit Grausamkeit und Mord richten kann.

„Only God Forgives“ hat eindrucksvolle Bilder. Lange Einstellungen und Zeitlupen, die Gewalt und Spannung manchmal bis ins Unerträgliche ziehen, fesseln den Zuschauer. Man will eigentlich nicht hinsehen und kommt dennoch nicht los von dem Geschehen. Zudem werden die Bilder in Farben eingetaucht, insbesondere das Blutrot, welches in der thailändischen Unterwelthölle atmosphärisch dominiert und dem Film eine gewisse stilistische Ästhetik zuordnet. Andererseits darf man diese atmosphärische Wirkung nicht mit Schockereffekten verwechseln. Denn es ist fraglich, ob ein Film wie „Only God Forgives“, der vorwiegend durch Brutalität und moralische Verkommenheit seiner Akteure gekennzeichnet ist, überzeugen kann und sollte. Aufgeschlitzte blutüberströmte Leiber, Folter, zu Tode geprügelte Menschen –  kann man dies einem Film letzten Endes wirklich zu Gute halten? Die Akteure im Film sind weitgehend ohne hintergründige Charakterzeichnung, lediglich kann man einen ödipalen Komplex, eine von Anfang an misslungene Mutterrolle und die schiere Entsagung des Glaubens an das Gute im Menschen vermuten. Außer der gegenseitigen Rachenahme lässt sich daher kein Grund für ihr schonungsloses Handeln finden. Fest steht eines: Der Film ist nicht bloß nichts für zarte Gemüter, er vergrault auch ein friedliebendes Publikum.

Es verwundert daher nicht, dass der Film nicht nur beim Publikum, sondern auch in der Presse polarisiert. Eine „herbe Enttäuschung - da mag [man] dem Leinwandgemetzel noch so viel religiösen Überbau hinzuplaudern wollen“, schreibt der Tagesspiegel. Auch die Berliner Zeitung urteilt, dass wenn Gewalt und Stilisierung, wie in Refns Genrestück, „nicht allein das beste, sondern vielleicht einzige Argument für einen Film ist, dann liegt etwas im Argen“. Für den Spiegel hingegen ist Refns Film „jedoch als visuell und formal anspruchsvolles Kino“ faszinierend. Am Ende bleibt ein Urteil über „Only God Forgives“ jedem selbst überlassen.

Nicolas Winding Refn lernte an der American Academy of Dramatic Arts und an der Dänischen Filmschule, brach aber beide Studien ab. Seinen Durchbruch hatte er, als ihm ein Budget von 3,2 Millionen dänischen Kronen für die Umsetzung eines Kurzfilms auf Spielfilmlänge angeboten wurde, bei dem er zuvor selbst Drehbuchautor, Regisseur und Hauptdarsteller war. Der Drogenfilm „Pusher“, den Refn 1996 mit 24 Jahren drehte, erhielt Kultstatus und brachte Mads Mikkelsen dem internationalen Durchbruch näher. Richtungsweisend für seine Filmkunst ist „Bleeder“ von 1999, bei dem hochstilisiert innere Reaktionen auf äußere Umstände fokussiert werden. Spätestens seit „Bronson“ 2006 machte sich Refn für ultra-brutale Filme mit gewisser Surrealität einen Namen. Der gefeierte und bisher erfolgreichste Film „Drive“ spielte 2011 weltweit über 100 Millionen Dollar ein.

Chris Telscher | 19. August 2013

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